Warum Lücken im Lebenslauf eine Chance sein können

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Früher war mehr Lametta! Aber war deswegen auch alles besser? Früher galt es als erstrebenswert, die gesamte Berufslaufbahn in einem Unternehmen zu verbringen und  möglichst wenig aufzufallen. Aber hat das noch Gültigkeit? Oder können Lücken im Lebenslauf heute sogar eine Chance sein?

Wahrscheinlich beantwortest Du diese Frage spontan mit „Nein“, weil Du weißt, dass sich die Zeiten geändert haben. Aber bedeutet das auch, dass Du mit Deiner eigenen Laufbahn wirklich zufrieden bist? Nimmst Du Deinen Lebenslauf bedingungslos an und bist froh über das, was Du erreicht, gelernt und geleistet hast? Auch wenn jetzt schon einige Wechsel und vielleicht sogar Unebenheiten dabei sind? Ich hoffe es von Herzen, aber…

Lücken im Lebenslauf werden oft überbewertet

Viele Menschen haben irgendetwas an ihrem Lebenslauf auszusetzen, suchen den Roten Faden, finden ihn nicht und geben sich deswegen von vornherein mit weniger zufrieden oder hadern mit ihrem beruflichen Schicksal: „Hätte ich das damals nur anders gemacht.“ oder „Rückblickend hätte ich etwas ganz anderes machen sollen!“ oder „Wie soll ich diese Lücke nur erklären?“

Kein Wunder! Viele Jahre lang wurde uns eingetrichtert, dass zu häufige Jobwechsel, Elternzeiten – geschweige denn Lücken im Lebenslauf alles andere als förderlich für die Berufslaufbahn sind.

Mich erreichte einmal diese Anfrage: „Auf der Suche nach Inspiration und Nervenberuhigung bin ich glücklicherweise auf Ihr Angebot gestoßen. Ich habe ganz kurzfristig eine für mich sensationelle Jobchance in Aussicht. Da ich zwar weiß, dass ich gute Arbeit leiste, gleichzeitig aber aufgrund meines bisherigen Werdegangs dazu neige, mich durch Selbstsabotage zum Zweifeln zu bringen, glaube ich, dass Ihr Beratungs- und Coaching Angebot genau richtig für mich zur Vorbereitung auf das Gespräch ist, denn ich habe recht viele Lücken im Lebenslauf.“

Ich vereinbarte also einen Telefontermin mit Christina (Name geändert) und freute mich auf die Details. Kurz vor dem Gespräch erhielt ich den Lebenslauf per Mail. Und tatsächlich: Auf den ersten Blick passte nicht viel zusammen. Zeit für ein paar Rückfragen.

Was steckt wirklich hinter Deinem Lebenslauf?

Was mir im Telefonat auffiel, war Christina’s positive Haltung zum Leben und ihre Verbindlichkeit. Wie aufgeräumt sie von den Stationen ihres Lebens berichtete und was sie daraus gelernt hatte. Wie mehrere Schicksalsschläge zu dem geführt hatten, wer sie heute war und was sich daraus durchaus auch Positives entwickelt hatte. Von Opferhaltung keine Spur.

Erst als die Sprache wieder auf das bevorstehende Vorstellungsgespräch kam, sackte sie hörbar in sich zusammen.

Dabei hatte sie alles richtig gemacht: Sie hatte sich nach den Unruhen ihres Lebens wieder einen ganz kleinen Wirkungskreis gesucht, in dem ihre vielfältigen und auf unterschiedlichste Weise erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse, ihre Empathie und ihre positive Art nicht lange unentdeckt blieben.

Eine Bekannte innerhalb dieses Wirkungskreises empfahl sie dann an ein bekanntes Unternehmen weiter. Zunächst nur für eine Vertretungsstelle eingesetzt erhielt sie dort nun schon nach kürzester Zeit das Angebot, sich intern auf eine begehrte Stelle in Festanstellung zu bewerben. Man war schnell davon überzeugt, dass sie bereit und motiviert war, alles in kürzester Zeit zu lernen, was ihr fehlte.  Eigentlich ein Happy End, oder? Noch nicht ganz!

Lücken im Lebenslauf als Chance

Christina war noch immer überzeugt: Wenn der Entscheider ihren Lebenslauf sehen würde, wäre alles vorbei – gute Arbeit hin oder her. Es würde auffliegen, dass sie keine ausreichenden Erfahrungen vorzuweisen habe und man würde erkennen, dass ihre Berücksichtigung ein ganz großes Missverständnis gewesen war. Mit DEM Lebenslauf? Wie sollte das gehen?

Natürlich ließ sich auch in diesem Lebenslauf – wie fast immer und mit etwas Abstand –  ein Roter Faden finden und herausarbeiten, so dass beim Lesen ein Verständnis dafür entstand, was sich hinter Kursänderungen verbarg und mehr als das: was sie daraus lernen und mitnehmen konnte – was sie einzigartig machte.

Besonders Soft Skills wie Belastbarkeit, Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, Organisationsstärke, Konfliktfähigkeit und Eigeninitiative resultieren häufig aus Situationen, in denen eben nicht alles rund lief. Fähigkeiten, die heute gefragter sind denn je. 

Sicher, es gehört auch Mut dazu, zum eigenen Lebenslauf zu stehen, wenn nicht alles nach Plan gelaufen ist und wenn Absagen eintrudeln. Letztendlich kommt es aber wie so oft auf die Perspektive an, mit der man auf die Dinge schaut  – ist der Lebenslauf halb leer oder halb voll? Was steckt wirklich dahinter und was hast Du daraus mitgenommen? 

Und Christina? Hat den Job bekommen! Was glaubst Du: trotz ihres Lebenslaufs – oder gerade deswegen?

Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Meinungen und die Urteile über die Dinge.
Epiktet

 

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