#01 – 5 Gründe für Absagen nach dem Vorstellungsgespräch – und wie Du sie in Zukunft verhinderst

Shownotes

Hast Du schonmal eine Absage nach dem Vorstellungsgespräch bekommen? Und womöglich keine Ahnung, warum? Wir beleuchten 5 typische Gründe und geben Dir als Bonus wertvolle Tipps, wie Du das in Zukunft vermeiden kannst.

Inhalt der Folge

Eine Absage nach dem Vorstellungsgespräch erhalten. Wer möchte das schon gerne? Ich jedenfalls nicht und Du vermutlich auch nicht.

Deswegen haben wir uns heute das Thema vorgenommen, eins der meist gelesensten Themen auf unserem Blog “SterneBewerbung” und gehen damit Dir ein bisschen in die Tiefe. 

Wir geben Dir außerdem noch ein Bonus mit auf den Weg, wie Du vielleicht in Zukunft verhindern kannst, Absagen zu bekommen nach Vorstellungsgesprächen und wir reden darüber, wie auch Boxershorts manchmal Einzug in Vorstellungsgespräche finden. Einen kurzen Hinweis noch: AGG steht für allgemeines Gleichbehandlungsgesetz und nicht für Arbeitgeber Gesetz. Nur, dass Du’s mal gehört hast und Dich nicht wunderst, wenn du gleich in dem Podcast rein hörst. 

Unserer allerersten echten Podcast Folge nach unserem Intro gestern. 

Ja, ich freue mich riesig.

Wir legen los und haben uns gleich einen schweren Tobak ausgesucht sozusagen, nämlich das Thema was auf dem SterneBewerbungsblog in den letzten Jahren am häufigsten aufgerufen wurde, nämlich die Frage: “Absage nach dem Vorstellungsgespräch, wie konnte es dazu kommen und was kann ich dagegen tun?”. Wir hatten oder ich hatte damals auf dem Blog einige Punkte aufgegriffen, die wir heute nochmal beleuchten und das vielleicht von einem anderen Standpunkt, als sie auf dem Blog zu lesen sind und in der Vorbereitung sind uns dann natürlich auch noch ein paar Bonuspunkte eingefallen, wie man mit dem Thema umgehen kann.

Was wir, glaube ich, schon vorwegnehmen können, ist, dass das Thema immer wieder auch einen kleinen Bias wach macht. Man redet sich da häufig ein, das kennen wir von Kandidaten, warum sie womöglich abgesagt wurden, weil an der Stelle muss man ja sagen, ganz oft hört man nicht den wahren Absagegrund.

Wenn man überhaupt einen Grund hört, manchmal ist es einfach auch „wir haben uns für einen besseren Kandidaten entschieden“ und man bleibt zurück mit vielen Fragen. Und dann kommt der Bias, den du nennst. 

Genau. 

Wo man dann sich selber das ein oder andere einredet. Häufig Natürlich geschuldet dem berühmten Arbeitgeber Gesetzt, AGG, Arbeitgeber Gesetz, wo man verpflichtet ist, natürlich eben auch Diskriminierung auszuschließen, Neutralität zu wahren und viele Bewerber, die eine Absage erhalten, gehen einfach pauschal davon aus, dass der Arbeitgeber, das Unternehmen Angst hat, den wahren Grund zu nennen, um eben nicht verklagt zu werden.

Ja, da darf ich auch ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern, dass es tatsächlich natürlich auch ganz vielen Recruitern oder Personalern schwer fällt, um eine Absage zu übermitteln. Oftmals wird da der einfache Weg gewählt das schriftlich zu übermitteln und da auch in einer Standard Terminierung, im Terminus, zu bleiben, ohne sich vielleicht da die Mühe zu machen, dem Bewerber/der Bewerberin noch das ein oder andere mit auf den Weg zu geben, woraus man lernen kann,

Genau, man muss allerdings auch sagen, je größer das Unternehmen, desto höher wäre natürlich auch der Aufwand bei jedem einzelnen Kandidaten, sich die Mühe zu machen, wirklich die Gründe zu analysieren, aufzubereiten und dann auch, adäquat zu übermitteln. Vielen fällt es auch einfach schwer, dies in gute konstruktive Worte zu fassen.

Ja, das finde ich schade, weil gerade wenn es auch ein Vorstellungsgespräch gegeben hat, dann wäre es mir als Personaler echt immer ein Anliegen, aus Respekt dem Kandidaten der sich die Mühe gemacht hat zu uns zu kommen, sich vorzubereiten, sich persönlich vorzustellen, auch dann ein persönliches, individuelles Wort zukommen zu lassen. Aber gut, die Messlatte, die legt nicht jeder für sich selbst so hoch, deswegen müssen sich Kandidatinnen in vielen Momenten einfach mit einer Standardabsage irgendwo zufrieden geben. 

Wir versuchen es bei Bridging Neighbours mit unseren Kandidaten so gut wie möglich. Wir haben immer ein ganz gutes Verhältnis unseren Kandidaten. Sind da im engen Austausch und versuchen das so oft wie möglich zu machen und kriegen natürlich dafür auch oft eine große Wertschätzung zurück. Aber man darf nicht vergessen, nur fünfzehn Sekunden pro Bewerbung, was viele Personaler in gerade großen Unternehmen haben, daher da die Botschaft dies zuerst einmal nicht zu persönlich zu nehmen und nicht gleich das Schlimmste zu vermuten, auch hinter einer Absage. Der Grund ist nicht immer das Alter. Der Grund ist nicht immer, dass man Kinder hat. Ganz oft sind es eben auch viele, viele andere Dinge, aber das betrifft jetzt natürlich die Bewerbung. Wir sprechen heute übers Vorstellungsgespräch!

Also dann, wenn der Drops eigentlich schon gelutscht ist, wenn man sozusagen dort gewesen ist, ein positives Feedback durch diese Einladung hatte und dann sage ich mal, die Keule umso größer ist, wenn man danach dann quasi persönlich abgelehnt wird. Das tut oft besonders weh und auch dann gibt’s nicht eine persönliche Absage. Aber wir können heute vielleicht ein bisschen das Geheimnis lüften, was dahinter stecken kann. 

Genau, Cathrin, magst du vielleicht mal mit dem ersten Punkt aus deinem Artikel anfangen, der da heißt, die Wahrheit ausdehnen. Man könnte es auch Lügen nennen. 

Ja genau. 

Was steckt dahinter? 

Ja, also tatsächlich kommt’s ja immer raus, ne? Also gerade, wenn man im Lebenslauf die Dinge vielleicht etwas, wie soll ich sagen, die Wahrheit etwas weiter gefasst hat, an der ein oder anderen Stelle und vielleicht auch durch Weglassung, dass man zum Beispiel eine Position ausgelassen hat oder ich sage mal, in Anführungszeichen, übertüncht oder Dinge weggelassen hat, die im Vorstellungsgespräch zum Beispiel über den Ausstieg aus dem letzten Unternehmen gesprochen hat und sich das aber wiederum nicht im Zeugnis wiederfindet. Da zum Beispiel ein ganz anderer Grund steht für den Ausstieg. Da muss man ganz ehrlich sagen, da reagieren Personaler und natürlich auch potenzielle Manager oder potenzielle Vorgesetzte einfach allergisch darauf. Das schürt Misstrauen und ich glaube, Vertrauen ist einfach das größte Benefit, was man generieren kann in so einem Vorstellungsgespräch.

Na ja, in dem Gespräch wird ja vor allem auch geguckt, ist das Bild stimmig. Zwischen Papier, der Person, dem Auftreten, dem Gesagten oder auch manchmal dem nicht Gesagten, der verbalen und nonverbalen Kommunikation. Manchmal kann das Gegenüber auch nicht einordnen, warum das Bild nicht stimmig ist, aber wenn es da Übertreibung oder Untertreibung gibt, dann kann das schon dahin führen, dass jemand sagt: “Ich weiß nicht, mein Bauchgefühl, das passt nicht so ganz”. Ohne das überhaupt benennen zu können. 

Und da drin die Botschaft, um es mal ins Positive zu klären, was kann man denn dagegen tun, wenn’s Sachen gibt, die man am liebsten unter den Tisch fallen lassen würde, weil man vielleicht auch denkt, “Mensch, mir ist es sehr unangenehm, aber es ist eigentlich gar nicht relevant für die Position”.

Dann ist die Botschaft im Endeffekt im Zweifel bei der Wahrheit bleiben und eine Kundin von mir sagte mal vor ein paar Jahren, mit radikaler Wahrheit, mit radikaler Authentizität rüberzukommen und zu überzeugen damit, dass man entwaffnend ehrlich ist. Das bewährt sich einfach immer zu sagen, das war eine Station, die würde ich am liebsten unter den Tisch fallen lassen, aber sie ist da gewesen und ich habe sie ins Positive gedreht und das Beste daraus mitgenommen und sonst wäre ich heute nicht hier. Letztendlich da immer und immer wieder bei der Wahrheit zu bleiben und echt zu sein. 

Darf ich da eine Brücke bauen? Um den nächsten Punkt anzusprechen und zwar, schlecht über den letzten Chef reden, bzw. brauch es ja gar nicht unbedingt der letzte sein, aber eben schlecht über einen früheren Arbeitgeber zu sprechen.

Und auch bei einer Position oder einer Station, die man lieber unter den Tisch fallen lassen möchte, wie du gerade sagtest, Catrin, trotzdem es schaffen, im Positiven da zu bleiben, das ist, glaube ich, eine ganz große Kunst, aber auch extrem wichtig. Vielleicht möchtest du da nochmal drauf eingehen?!

Ja, ich glaube auch, da macht Übung den Meister. Das alles hat ja mit Kommunikation zu tun und das ist schon im Anschreiben für viele eine große Herausforderung und natürlich in der persönlichen Präsentation umso mehr um das, was man sagen will, nicht nur rüberzubringen, sondern auch so rüberzubringen, dass einem keinen Strick draus gedreht wird, sondern dass man letztendlich überzeugt. Ich denke über eine schlechte letzte Erfahrung oder ein schlechtes Verhältnis mit einem vorherigen Chef positiv sprechen zu können, das ist das A und O, das ist die Kunst, das erfordert Vorbereitung. Vor allen Dingen erfordert das aber sich dessen bewusst zu sein, dass man diese schlechte Erfahrung positiv rüberbringen will und dann gibt es natürlich auch Wege, das einzustudieren, zu üben, wichtig ist, sich vorher damit auseinanderzusetzen. Sich diese Mühe zu machen und nicht zu denken, ach das wird schon irgendwie, weil dann kommts meistens falsch raus, dann haben wir wieder den Salat mit dem Bauchgefühl, ne? 

Ja. Hast du aus dem Coaching vielleicht auch einen praktischen Tipp, wie man so etwas auch mal üben kann?

Naja, also da fällt mir spontan immer ein, ich sage eigentlich allen, stell Dich vor den Spiegel, diese klassische Übung, was man eigentlich nicht machen will. Man will sich ja selbst nicht beim beim Reden zugucken und zuhören, aber tatsächlich funktioniert das. Also, wenn man es laut ausspricht. Es ist so ein bisschen, wenn der Mund die Wörter schon mal gesprochen hat, dann gehen Sie im Vorstellungsgespräch leichter über die Lippen. Also das ist tatsächlich so ein Punkt und natürlich was man im Einzelnen da sagen kann, das hängt immer von der Situation ab, die man hinter sich hat, da gibt’s keine pauschale Empfehlung, außer stay positiv und dass man bei sich treu bleibt währenddessen. Man kann, schließlich nur sein eigenes Handeln und Tun verändern und dann daraus auch eine Konsequenz und Schluss ziehen und vielleicht einfach auch den Schritt von der Vergangenheit in die Zukunft legen, weil es bestimmte Gründe gab, hast Du Dich entschieden einen neuen Schritt anzugehen. Das also positiv zu drehen, das heißt nicht, dass man’s jetzt schönreden soll, einfach positiv drehen.

Und auch da kommen wir wieder automatisch quasi zum nächsten Punkt, nämlich Fehler und Schwächen. 

Deine Fehler und Schwächen nicht zu kennen oder oder auch nicht zuzugeben, sich damit also nicht auseinandergesetzt zu haben. Das ist ja immer so der Personaler Standard, “nennen Sie bitte drei Ihrer Stärken und drei Ihrer Schwächen”. 

Ich habe eine Schwäche für italienisches Essen. Hahaha…

Ich habe da so eine ganz andere Haltung zu und finde, diese Frage oftmals völlig falsch platziert, aber sie wird sehr, sehr oft gestellt. Also man muss da schon auch darauf vorbereitet sein. Gleichwohl möchte ich da eine andere Interpretation zu geben.

Und zwar sind in meinen Augen Fehler/Schwächen ehrlich gesagt, einfach Themen, die einen nicht ganz so interessieren, wo nicht die Leidenschaft liegt und wo die eigene persönliche Ausprägung/Prägung nicht wiederzufinden ist. Und was ich nicht so spannend finde, das habe ich auch nicht viel geübt in meinem Leben und dementsprechend bin ich da einfach auch kein Experte drin.

Dessen sollte man sich bewusst sein und sich aber auf der anderen Seite dann nicht dafür schämen. Man kann sich nicht für alles begeistern. Man kann nicht in allen Themen gleich gut sein. Und vielleicht sollten wir einfach da mal ein bisschen Angst rausnehmen “Oh, sind meine Schwächen”…

Das heißt, wir gehören dazu. Das ist eine Flipside of the Coin. Das muss also die zweite Seite der Medaille sein. Du hast Stärken, also hast du automatisch auch Themen, die Dir  weniger, zu fliegen und weniger dein Interesse geweckt haben. 

Genau. 

So, das musste ich einmal vorab loswerden. Nun muss man natürlich dazu sagen, wenn in dieser Funktion/in dieser Position natürlich irgendetwas essentiell gefordert ist, wo du sagen musst, “äh, das ist leider meine Schwäche”, dann gibt’s genau zwei Möglichkeiten, entweder Du identifizierst das als Entwicklungspotential, nämlich etwas, was Dich durchaus sehr interessiert und worüber Du mehr lernen und wissen willst oder Du musst zugeben, na ja, also wenn ich’s mir recht überlege, dann habe ich eigentlich gar keinen Bock auf den Job. Und ich bin hier eigentlich gerade falsch und dann macht man das Beste natürlich draus, bringt das Gespräch freundlich zu Ende, aber zieht dann die Konsequenz zu sagen, naja, das habe ich mir anders vorgestellt. Da bin ich vielleicht falsch abgebogen mit der Bewerbung. Wichtig ist hier noch den Zwischenschritt zu sehen. Wo interessiert mich was und ich kann’s noch nicht so gut, das darf auch ein Entwicklungspotential sein, was man dann mit verkauft, aber in dem Moment, wo man identifiziert im Gespräch, das kann ich nicht und das will ich auch nicht können. Da muss man überlegen, bin ich hier einfach richtig.

Ja.

Ja, es passiert leider öfter, dass nach den nach den Schwächen gefragt wird, als nach den Stärken. Schade.

Mega schade, weil ich glaube, man sollte gerade den Fokus auf die Stärken legen und nicht auf die Schwächen. Ich finde aber, es wäre eine super Antwort auf die Frage, was sind ihre Schwächen? “Möchte ich eigentlich gar nicht drüber reden, lassen sie uns doch mal über meine Stärken reden”.

Zumindest in der Führungsposition bestimmt auch mal ein interessanter Angang. 

 

Keine Ahnung vom Unternehmen haben, was heißt das eigentlich

Natürlich letztlich blank reinzugehen in so ein Vorstellungsgespräch und erstmal rum zu stottern, wenn mal gefragt wird “erklären sie doch mal, was wir hier so machen aus ihrer Sicht und was der der Sinn des Unternehmens ist” und dann letztendlich vielleicht ein, zwei Sätze dazu oberflächlich parat zu haben und einen Punkt zu machen und dann nicht ins Gespräch darüber gehen zu können.

Ja, aber ich würde da gerne einmal aus der Praxis reingehen. Weil das klingt natürlich jetzt ganz schwarz-weiß und du wirst dann sagen, ja, nee, wird mir nicht passieren. Natürlich bin ich informiert über ein Unternehmen, aber doch passiert es in der Praxis sehr oft, dass Kandidaten ins Gespräch gehen und gerade auch Kandidaten, die vielleicht aktiv im Markt angesprochen wurden, die vielleicht gar nicht so aktiv auf der Suche grade sind. Gleichzeitig aber dennoch sagen, ja, der nächste Schritt dürfte kommen und dann kommt der Satz, “Ich höre mir das mal an”.

Und da ist es natürlich dann auch kein Wunder, dass vielleicht das Gegenüber sich erhofft hätte, etwas mehr Elan und Begeisterung, und ja Wertschätzung dem Unternehmen gegenüber zu spüren.

Das heißt eigentlich in jedem Gespräch, was man angeht, auch wenn es nur ein erstes unverbindliches Kennenlernen sein könnte, gilt es schon auch, sich wirklich umfangreich informiert zu haben und darin die extra Meile in der Vorbereitung auch gegangen zu sein.

Und für sich selber immer die prüfende Frage gestellt zu haben, ist das ein Job, den ich wirklich möchte? Ist das ein Unternehmen, mit dem ich mich wirklich verbinden kann? Wo ich Lust drauf habe auch Botschafter für zu sein und bei den Freunden am Wochenende beim Grillen begeistert über meinen Job zu berichten?

Also wenn man sich diese Frage vorab stellt, ich glaube, dann kommt man automatisch auch ein paar Ebenen tiefer in der Firmenpräsentation, also losgelöst jetzt nur von der, Webseitendarstellung oder vielleicht mal ein Arbeitgeberprofil auf Kununu gecheckt zu haben, was wichtig ist, ja.aber um welche Produkte geht es denn? Welche Kunden? Welche Märkte? Wie sieht mein Job dort aus? Mit wem habe ich im Unternehmen zu tun? Kenne ich deren LinkedIn oder Xing Profile? Habe ich da schon mal geguckt, welchen früheren Arbeitgeber die hatten, gibt es da Parallelen oder was sind vielleicht neue Produktentwicklungen, die in der Zukunft kommen? Wo geht das vielleicht auch mit der Entwicklung der Branche in den nächsten drei bis fünf Jahren hin? Gibt es da was, wo ich zu beitragen möchte?

Wenn man solche Themen schon herausgearbeitet hat, dann spürt man in der Vorbereitung ganz schnell auch, brenne ich dafür oder nicht. Und jetzt muss ich einmal aus dem Nähkästchen plaudern.

Ich habe nämlich tatsächlich in ein in einer solchen Vorbereitungsphase. Meinen Recruiter damals angerufen und gesagt, ich muss das morgige Vorstellungsgespräch absagen, weil ich mich einfach nicht für die Produkte begeistern kann. Ich glaube, dass Unternehmen, das passt einfach nicht zu mir, der hat erstmal geschluckt, der hat mich nach zwei Stunden wieder angerufen und hat gesagt, alles gut, können wir verstehen.

Aber genau deswegen brauchen wir Sie, weil es geht nämlich um das ganze Thema Employer Branding und wie das Unternehmen sich in den Arbeitsmarkt rein positioniert. Und ja, losgelöst von den Produkten gibt es aber in der Sache der Aufgabe ganz, ganz spannende Themen. Und damit hatten sie mich. Aber das hatte der Recruiter mir vorher nicht gesagt und so bin ich dann doch in das Unternehmen reingegangen, habe das Gespräch geführt und ich habe auch den Job bekommen, aber.

Diese ehrliche Frage hatte ich mir schon gestellt und ich brauchte einfach jemanden, mit dem ich da einmal drüber reden konnte, das auch ehrlich sagen zu können, das fand ich in dem Moment ganz wichtig,

Aber da steckt auch ganz viel das Thema Augenhöhe mit drin. Also sich selber nicht nur als Bittsteller am Arbeitsmarkt zu fühlen und zu sagen, oh, ich muss ganz viele Bewerbungen raushauen nach dem Motto Gießkanne, einer wird’s schon werden, irgendwas wird schon passen.

Da hört man dann oft hinterher, ich habe zwar sechs Bewerbungen geschrieben und sechs Absagen bekommen, aber es war nicht so schlimm, das wollte ich eigentlich sowieso nicht machen

Meine erste Frage lautet dann immer, ja, warum hast Du denn die Bewerbung geschrieben, Dir die Mühe gemacht und bist dann womöglich zum Vorstellungsgespräch gegangen und das muss man ganz ehrlich sagen, hast nicht nur deine eigene aber auch die Zeit anderer geraubt. Ich glaube, es ist ganz wichtig, sich zeitig vorher Gedanken zu machen und wenn man sich entscheidet, sich zu bewerben, zu einem Vorstellungsgespräch zu gehen, dann sich auch so weit vorzubereiten, zu sagen, ich gehe jetzt hin und gebe alles und ich will das machen.

Soweit ich das vor dem Gespräch beurteilen kann oder eben so fair zu sein wie Laura zu sagen danke, thank you, but no thank you. Und dann entwickelt sich vielleicht auch was anderes Tolles daraus. Also Augenhöhe, ehrlich währt am längsten. 

Ja, aber das hat auch ganz viel mit dem fünften Punkt zu tun und das hast Du eigentlich schon fast vorweggenommen jetzt, Cathrin, den eigenen Wert nicht zu kennen. Wenn man da vielleicht auch in dieser Bittsteller Rolle empfindet, man dadurch auch nicht so überzeugend rüberkommt, um diese verantwortungsvolle Position auch zu bekommen.

Und da muss man leider sagen, dass das eben auch oft ein Frauenthema ist. Da sind wir eigentlich jetzt wieder so ein bisschen beim Kern auch dieses Podcast und SterneBewerbung, weil, Frauen doch mit vielen solchen Situationen auch nochmal anders umgehen als viele Männer. Um mal das Klischee breit zu treten, aber ein bisschen ist es schon so, dass Frauen oft im Zweifeln!

Ich treffe halt nur fünfundsiebzig Prozent der Stellenanzeige und eigentlich kann ich das gar nicht, dieses Imposta-Syndrom. Ne, ich irgendwann kommt einer dahinter, ich bin eigentlich gar nicht geeignet dafür. Und das ist natürlich etwas, was letztendlich einen zurück wirft. Man kommt aus der Augenhöhe raus, man gerät in die Bittsteller-Position und das ist eigentlich ein Abwärtsstrudel. Da kann ja schwerlich was Gutes bei rauskommen. Deswegen ist vielleicht das Thema Mindset und auch Glaubenssätze wichtig! Glaube ich vielleicht nur, dass ich nicht gut genug bin. Wie kann ich das überprüfen? Wie kann ich mich selber darin bestärken, mich das zu trauen? Was ist denn mein Mehrwert, den ich für diese Rolle mitbringe? Was bringe ich mit was ich dem Unternehmen bieten kann? Das ist ja auch oft Kern eines solchen Gespräches.

Nicht reinzugehen und zu sagen, was kann ich da rausholen, sondern erstmal reinzugehen und zu sagen, was bringe ich überhaupt mit. Um davon auszugehen, wenn ich den Job kriege. Warum sollen sie mich nehmen? Wofür trete ich hier an?

Genau.

Und dann automatisch eben auch den eigenen Vorteil raus verhandeln zu können. Und das ist dann eine Win-Win-Situation und da wollen wir eigentlich immer hin.

Absolut.

Was nicht im Blogbeitrag steht, sind die Dinge, die uns dann heute noch im Nachgang eingefallen sind und wir haben sie hier zusammengefasst eigentlich unter dem Wort Knigge, aber das müssen wir vielleicht ein bisschen aufdröseln. 

Ja, es ist schon fast ein no brainer und gleichzeitig ist es für uns doch immer wieder erschreckend, dass diese Selbstverständlichkeiten in Manieren und Umgang miteinander in manchen Situationen auch von Führungskräften, die viele, viele Jahre im Beruf stehen, irgendwo vergessen werden.

Und das geht bei den Offensichtlichkeiten von Dresscode, das aber auch wirklich von von oben bis unten,über wie verhalte ich mich beim Empfang hin zu, was ist meine Körperhaltung während eines Gesprächs? Und das hat natürlich jetzt dreißig Minuten, fünfundvierzig Minuten, sechzig Minuten, manche Gespräche dauern zwei Stunden. Das hat man nicht in jeder Sekunde parat.

Aber man kann sich schon immer wieder einmal überprüfen, ob man anwesend ist, aufrecht sitzt, dem anderen in die Augen schaut, einen natürlichen Augenkontakt hält, die Körperhaltung des anderen spiegelt, das schafft immer Nähe und auch Sympathie da drin. 

Viele Recruiter schauen unter den Tisch, wie die Fußhaltung ist oder auch die Fußbewegungen sind während des Gesprächs. Das mache ich auf jeden Fall immer gerne auch. Wusstest Du das? 

Nee.

Ah, das ist echt echt so mein Ding, dass ich immer wieder auch mal. Überkreuzte Beine, gerade Beine, einer der eher ganz viel rum hibbelt und sich ganz viel bewegt, ja oder eher ganz bodenständig und geerdet ist.

Und darin einfach der ganz praktische konkrete Tipp. Immer wieder sich kurz auch zu reflektieren im Gespräch und vor dem Gespräch einmal nachzudenken: Welche Erscheinung bin ich in dem Gespräch? 

Für uns Frauen gilt: Was für Schuhe trage ich, wie hoch ist der Absatz? Das ist ein bisschen der Klassiker, aber da echt einmal ganz kurz darüber nachdenken, worin fühle ich mich wohl und da ist echt nicht, das eine die perfekte Antwort, sondern das musst zu Dir als Mensch einfach passen und Du musst Dich darin wohlfühlen und auch im Einklang sein mit dem Setting des Unternehmens.

Natürlich geht es dann auch noch weiter, wie, was bringst Du mit, also sprich, Du hast wahrscheinlich eine Handtasche dabei, es ist eine Business Tasche, passt da einen Blog rein, Schreibutensilien und das auch immer mit auf den Tisch legen. Also ich erlebe viele Gespräche, wo auch höhere Führungspositionen, die zu besetzen sind, jemand ins Gespräch reinkommt ohne jeglichen Sachen in der Hand und auch nichts auf den Tisch legt. Also auch während des Gesprächs weder was aufschreibt, noch mal eben in seine Notizen gucket, um zu schauen, habe ich meine Fragen abgearbeitet oder, oder, oder. Aber es macht einfach immer einen viel professionelleren Eindruck. Wenn man in ein Gespräch vorbereitet reinkommt und bereit ist, auch was aufzuschreiben oder etwas mitzuteilen, was man vorbereitet.

Also alles, was du jetzt gesagt hast, das betrifft im Prinzip jegliche Konversationen auf geschäftlicher Ebene und um ganz ehrlich zu sein, selbst auf privater Ebene. Also ich denke jetzt an den privaten Banktermin vielleicht oder so. 

Ach so, also all das, wo man eben auch irgendwo, ich sage mal, so halb geschäftlich unterwegs ist. 

Ja. 

Also zum Beispiel, komplett auf dem Stuhl drauf zu sitzen und nicht auf der Stuhlkante rum zu hibbeln oder die Hände auf den Tisch zu haben und nicht unterm Tisch. das mag jetzt so habe ich alles gesehen, ch sehe das auch in den in den Vorstellungsgesprächen, bei denen wir natürlich auch mit unseren Kunden gemeinsam dann äh dran teilnehmen. Also das ist manchmal erschreckend. 

Nicht in die Augen gucken zu können, ist eben auch so ein ganz großes Thema oder eben auch nie lächeln. Finde ich auch schwierig. 

Gerade in der Begrüßungsphase, im Warm-up, sage ich mal. Für mich ist Vorstellungsgespräch, und das habe ich meinen Kundinnen in den letzten Jahren immer gesagt, also mindestens, wenn nicht vielleicht noch mehr, zu fünfzig Prozent Chemie.

 Und Chemie entsteht ja nicht durch Vorbereitung, sondern um das Gefühl, was jemand hat in deiner Nähe, mit Dir in einem Raum zu sein, dass das ein Gutes ist und das liegt ja an der Natur der Sache, je entspannter du bist, weil du vielleicht gut vorbereitet bist, selbstsicher bist, bei Dir bist, Dir deiner Stärken und Schwächen bewusst bist, dass Du eine ganz andere Aura hast, um Dich und das eben auch positive Auswirkungen auf das Gespräch hat. Ich glaube, das sollte man einmal erwähnen.

Auch diese Videointerviews, sind ja nicht minder interessant, da gibt es auch viele Stolperfallen.

Da hast du einen so wichtigen Punkt angeschnitten. Wollen wir da noch ganz kurz drüber sprechen?

Wo fängt es an, bei einem Videogespräch? Womit sollte man da auf jeden Fall punkten? Also das Erste, was mir einfällt, ist Licht.

Bei Immobilien, Lage, Lage, Lage… beim Video, Licht Licht Licht. 

Ja, also es macht nicht nur einen guten Teint, aber man sieht einander halt vernünftig, das ist wichtig, wenn man sich gerade auch nur auf diesem Wege kennenlernen kann, dann sollte man zumindest dafür sorgen, dass die Umstände so optimal wie möglich sind.

Als zweites kommt natürlich der Ton. Nicht ist Jahr anstrengender, als wenn’s rauscht, kratzt oder stumm ist.

Ich hätte jetzt was anderes gesagt, nämlich die Ausrichtung auf dem Bildschirm.

Wie das Gesicht ausgerichtet ist im Bildschirm. Und manchmal hat man die Gespräche, wo man so gerade eben am unteren Rand, also wenn der Kopf so gerade unten am unetren Bildrand ist, ich will immer den Laptop kippen, um dafür zu sorgen, dass dieser ganz drauf ist. 

Ja, das stimmt. 

Aber die Ausrichtung macht auch, wie man jemanden wahrnimmt. Wenn man nämlich unten am Bildrand hängt, hat man immer den Eindruck, der andere ist viel kleiner als er tatsächlich ist. 

Aber wenn wir’s schon ansprechen, dann können wir jetzt auch noch den Hintergrund kurz sagen, weil also auch das ist theoretisch ein no Brainer, aber ich glaube fünfzig Prozent derer, die man für ihren Hintergrund kritisiert würden behaupten, sie haben einen ordentlichen Hintergrund. 

Also, ich glaube, da ist die Selbst- und die Fremdwahrnehmung ganz unterschiedlich. Kannst Du Dich noch an einen, an ein Feedback erinnern nach einem ersten Gespräch, was über Hintergründe gesagt wurde. Das da ganz viele Drohnen im Hintergrund lagen?!

Ach ja. 

Weißt du’s noch? 

Ja und es war kein technischer Job wofür gesprochen wurde, sondern eigentlich eine Position im Vertrieb und da haben wir jetzt wieder mit diesem Gesamtbild und Bauchgefühl auch durch verschiedene Informationen, die der Kandidat nur nonverbal durch sein Setting gegeben hat, wurde der Eindruck von ihm extrem ins Technische gezogen und es vielleicht etwas schwierig ist, wieder aus dieser Rolle rauszukommen 

Das stimmt! Aber auch da gilt wieder ein bisschen Humor und Ehrlichkeit. Ich hatte eine Kandidatin, welche ausversehen kurz vorm Start des Gesprächs auf diese rosa Wolken, auf diesen künstlichen Background, den man auswählen kann gekommen war.

Sie saß also vor einem rosa Wolkenhimmel und ich sagte dann auch zu ihr, etwas irritiert, na sie haben aber einen schönen Hintergrund und sie fing an zu lachen und sagte: “Es tut mir so leid, ich habe hier ein bisschen rumgespielt und ehe ich ihn wieder weg machen konnte, waren sie plötzlich im Gespräch und es ist eigentlich nicht so meine Art, aber jetzt habe ich die Wolken und jetzt möchte ich auch lieber mit ihnen reden, als mir einen neuen auszusuchen. Bitte sehen sie es mir nach und haben herzlich gelacht und hatten einen ganz, ganz tollen Einstieg. Mittendrin klingelt es an der Tür und sie bat kurz um Entschuldigung, da ranzugehen und verschwand also in dieser rosa Wolkenwand, das war also eine ganz, ganz toller Showeffekt und ich habe sie halt nie vergessen. Also auch so kann’s gehen. Das ist immer die Sache, wie geht man damit um!

Darf ich an der Stelle, es ist auch ein Klassiker, meine Geschichte mit dem Typen erzählen, der aufgestanden ist. Also auch da der Tipp, Dresscode gilt auch für ein Videogespräch und das im gesamten Outfits und nicht nur obenrum.

Weil ich hatte eine Dreiviertelstunde, ein sehr, sehr gutes, sehr seriöses Gespräch und da musste der Kandidat einmal etwas suchen oder greifen, stand von seinem Bürostuhl auf und lehnte sich nach vorne und man sieht es schon kommen, er hatte halt nur eine Boxershorts untenrum an,und setzte sich wieder hin, weil er das irgendwie auch nicht wahrgenommen hatte, dass ich das gesehen hatte und ich hatte wirklich Schwierigkeiten, meine Mimik unter Kontrolle zu halten. Aber er fragte mich am Ende des Gespräches dann auch, wie ich es denn wohl empfunden hatte und ob ich Feedback für ihn hätte.

Und dann habe ich immer noch relativ trocken gesagt, nee, ich fand das gut, aber er könnte doch besser eine Hose tragen beim nächsten Gespräch.

Das hat er genauso ernsthaft und seriös angenommen und gesagt, vielen Dank fürs Feedback, da, haben sie Recht. Und damit hatte der das für mich auch wieder gerettet. Also auch hier super. Die Souveränität da drin, die hat’s auch wieder rausgerissen. Und damit hat er meinen Tag erheitert und ich hoffe beim nächsten Mal ist er in voller Montur. 

Der Kern der Geschichte, radikale Akzeptanz der Gesamtsituation, der eigenen Vergangenheit, der eigenen Wünsche, Ziele und Pläne.

Dann kann eigentlich nichts schief gehen, weil man jede Situation retten kann, weil man immer das Gespräch auch positiv drehen und zum Ende bringen kann, wenn man einige Dinge eben beachtet und nicht versucht jemand zu sein, der man nicht ist. Etwas vorzumachen, was nicht da ist und mit einer ehrlichen, aufrechten Begeisterung für das Unternehmen antritt.

Genau. Ich glaube, dann macht man schon ganz viel richtig. Und wenn’s dann nicht geklappt hat, dann sollte es vielleicht einfach nicht so sein. Dann wartet der richtige Job noch. Genau.

 In diesem Sinne, danke fürs Zuhören und wenn dir die heutige Folge gefallen hat, dann lasst doch gerne eine Bewertung auf Spotify, iTunes oder wo auch immer Du den Podcast hörst da, das würde uns riesig freuen, dass noch viel mehr, Leute, ihre Karriere in die Hand nehmen und selbstbestimmt den nächsten Karriereschritt machen können. 

In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal!

freebie_vorstellungsgespraech

Melde Dich jetzt für unseren Newsletter an!

Erhalte Neuigkeiten, Tipps und unser Dankeschön:

 

6 Tipps, wie Dein Vorstellungsgespräch ein Erfolg wird!

Das war erfolgreich! Bitte bestätige noch den Erhalt in unserer E-Mail an Dich!